Mit Vollgas gegen die Wand – der Alptraum eines jeden Unternehmers. Auch wenn das Gründertum zurzeit eine neue Renaissance erlebt, die Realität ist: Neun von zehn Jungunternehmen scheitern. Und überlebt das Startup die ersten Kinderkrankheiten, ist es weiteren Risiken trotzdem immer noch nicht gefeit. Was tun, wenn das Unternehmen pleite geht? Wie gehen wir in unserer Kultur mit dem Verlieren um?

Einer der dazu vieles zu sagen hat ist Damian Izdebski, ehemaliger Chef des IT-Händlers DiTech mit dem er 2014 in Konkurs ging. Anstatt sich zu verstecken und nach der Bruchlandung liegen zu bleiben gründete Damian nach einer ausgedehnten Reise in die USA erneut: mit Techbold installiert er IT-Netzwerke für Firmenkunden. Er hat die Größe über seine Misserfolge offen zu sprechen und schreiben – in seinem Buch „Meine besten Fehler“ und seinen Vorträgen spricht er über das Scheitern und Wiederaufstehen. In diesem Blog Artikel beschäftigen wir uns mit seinen „Besten Fehlern“ und machen uns Gedanken dazu, was das Scheitern für jeden Einzelnen (ob Unternehmer oder Angestellter) im Alltag bedeutet und wie wir besser damit umgehen können; denn: Wir scheitern ständig. Warum? Weil wir Menschen sind.

Kultur des Scheiterns

Damian spricht offen darüber, wie er während und nach dem Konkurs von seinem Umfeld aufgenommen worden ist. Menschen hätten begonnen die Straßenseite zu wechseln, damit sie nicht mit im sprechen müssen und viele Bekannte hätten sich abgewendet.

Die meisten Kontakte in meinem Telefonbuch waren Freunde vom DiTech-Gründer und nicht von Damian Izdebski.

Die Stigmatisierung ist eine Hürde, die wir als Gesellschaft überkommen müssen. Wer in Österreich und auch Deutschland scheitert, steht schnell als Verlierer da. Damian musste nach der Pleite erst einmal Abstand gewinnen und ist kurzerhand in die USA abgetaucht. Er beschreibt wie er in den Staaten aufgenommen wurde und wie anders andere Gründer mit seinem Misserfolg umgegangen seien. Die USA sind für ihre Kultur des Scheiterns bekannt. Was ist dort anders?

Die erste Frage, die ihm in den Staaten gestellt wurde, war „Was hast du daraus gelernt?„. Andere Gründer interessierten sich aufrichtig für seine Geschichte, denn bekanntlich lernt es sich aus Fehlern ja am besten. Bei uns gilt das Thema Scheitern immer noch als gesellschaftliches Tabu. Das macht uns als Innovationsstandort langsam, risikoavers und gründerfeindlich. Dabei wäre es doch so wichtig aus den Fehlern anderer zu lernen. Genau diese Erfahrungen bewegten Damian dazu, seine Erfahrungen in einem Buch niederzuschreiben und den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen.

Der Perfektionismus-Fehler

Unter anderem spricht Damian in seinen Vorträgen und Perfektionismus und wie er Innovation bremst. Als Startup und junges Unternehmen muss man schnell agieren können, um es an die Spitze zu schaffen. Viele Gründer verlieren sich jedoch im Perfektionismus. Beispiel: Website Design: „Meine Webseite ist noch nicht online, weil sie noch nicht perfekt ist.“ Entscheidungen wie diese können einen Gründer das Genick brechen. Es zählt das Motto „gemacht ist besser als perfekt“. Die Liebe zum Detail ist schön und gut, doch wer sich zu sehr verzettelt, verliert oft die wirklich wichtigen Entscheidungen aus den Augen.

Der Tunnelblick-Fehler

Gründer arbeiten bekanntlich mehr als Angestellte – sie leben für ihr Unternehmen, ihre Träume und leider oft auch für den Erwartungsdruck ihrer Umgebung. Da ist es einfach, den Überblick zu verlieren und sich vom Erfolg blenden zu lassen. Wer unter der Last aus Sollen und Müssen nur noch mühsam nach Luft schnappen kann wird schnell zu Getriebenen. Dabei wäre es so wichtig für die Entscheidungsträger, sich ab und zu vom Tagesgeschäft distanzieren zu können und die Situation objektiv von außen zu betrachten. Überlastete Führungskräfte verlieren mit der Zeit die Fähigkeit vorausschauend und mutige Entscheidungen zu treffen. Das Fazit: gute Führungskräfte sind nur so gut wie ihr Team. Als Gründer muss man oft auch einmal Verantwortung abgeben, um von Zeit zu Zeit Abstand gewinnen zu können und im Endeffekt relevant zu bleiben.

Der Festhalte Fehler

Wir Menschen halten an Dingen fest. Es fällt uns schwer loszulassen, solange es noch geht. Wir neigen dazu Schlechtes auszublenden und zu versuchen Fehler wieder hinzubiegen. Doch im Unternehmertum muss man manchmal einsehen, dass es besser ist radikal zu sein. Wer sich in sein Geschäftsmodell zu sehr verliebt, wird blind für nötige Veränderungen. Denken wir daran, wie schwer es unseren alteingesessenen Handelsunternehmen fällt, auf den Online-Zug aufzuspringen – das würde ja bedeuten, dass sie einige Geschäfte zusperren müssten. JA, aber es hieße auch, dass sie mit weniger Fixkosten mehr Menschen erreichen könnten. Trotzdem sind Unternehmen immer noch träge, diese Entscheidungen zu treffen und ihr Geld anders zu verdienen.

Was nehmen wir mit? Das Leben ist von Höhen und Tiefen geprägt; obwohl über die Tiefen oft niemand spricht. Mit dem Erfolg kommt oft große Verantwortung und schwierige Entscheidungen, die nicht immer richtig getroffen werden. Als Unternehmensstandort und noch viel mehr als Gesellschaft, herrscht Aufholbedarf in unserer Haltung gegenüber Misserfolgen.

 

Damian Izdebskid3e278a263883a2464172637f7d10f43
Unternehmer, Speaker, Buchautor

Von 1 Milliarde auf Null. Damian Izdebski weiß wie eng Erfolg und Misserfolg zusammenliegen können. Der DiTech Gründer hat kumuliert über 1 Milliarde Euro Umsatz geschrieben, musste Insolvenz anmelden und startet jetzt wieder neu. In seinem Vortrag „#startupagain – Meine Besten Fehler“ hält er ein Plädoyer für eine neue Kultur des Scheiterns. Mehr zu Damian – Anfragen an info[at]PotentialAG.at.

„Vielleicht hilft mein Vortrag, die heutzutage gesellschaftlich verbreitete Meinung zu revidieren, dass Scheitern für Unternehmer ein Tabu ist – und klarzustellen, dass zum Unternehmertum das Scheitern einfach dazugehört.“